Chinatown in London ist ein Touristenmagnet, aber auch ein Symbol für eine festgefahrene Parallelgesellschaft.
Warum Deutschland unbedingt einen Staatsfond braucht
- Zu viel deutsches Kapital wird im Ausland angelegt.
- Viele Bürger sollten Aktien besitzen, aber die meisten scheuen die Komplexität.
- ETFs investieren überwiegend in US-amerikanische Firmen, wodurch europäische Firmen benachteiligt werden.
- Ein staatlicher Anlagefonds könnte den Erwerb von Aktien erleichtern und kostengünstiger machen.
- Ein deutscher Staatsfonds könnte zur Rentenfinanzierung beitragen.
- Jeder wäre verpflichtet, monatlich einen geringen Betrag in den Staatsfonds einzuzahlen. Dadurch würde die Gemeinschaft entlastet.
- Selbst Menschen, die früher gut verdient haben, können im Alter zu Sozialfällen werden. Regelmäßige Einzahlungen in den Staatsfonds könnten dabei helfen, Härtefälle zu vermeiden.
- Der Staatsfonds könnte sowohl für die laufende Finanzanlage als auch für die Altersvorsorge genutzt werden.
Deutschland braucht einen vom Staat unabhängigen Staatsfonds, angelehnt an das schwedische Modell. Während der schwedische Staatsfonds ausschließlich der Altersvorsorge dient, sollte ein deutscher Staatsfonds allen Bürgern die Möglichkeit bieten, ab einer Summe von 1.000 Euro zu investieren oder ihre Altersvorsorge zu gestalten. Die Bürger sollten dabei wählen können, wie sie ihre Kapitalanlage zwischen einem Aktienfonds und einem Fonds für festverzinsliche Wertpapiere aufteilen möchten.
Ein weiterer Unterschied zum schwedischen Staatsfonds wäre die Zusammensetzung der Fonds. Anstatt sich am MSCI World zu orientieren, sollten ausschließlich europäische Aktien und Wertpapiere berücksichtigt werden.
Der MSCI World (Morgan Stanley Capital International) ist ein Aktienindex, der die Entwicklung von rund 1.500 der größten Unternehmen abbildet. Fonds, die auf dem MSCI World basieren, halten mehr als 70 Prozent ihres Anlagekapitals in US-amerikanischen Konzernen. Deutsche Unternehmen sind beispielsweise nur mit weniger als 3 Prozent vertreten. Alle Europäer, die Fonds auf Basis des MSCI World erwerben, unterstützen somit die US-amerikanischen Großkonzerne. Würde es gelingen, das deutsche Kapital überwiegend in Deutschland und anderen EU-Staaten zu halten statt es in die USA zu transferieren, wäre dies ein Befreiungsschlag gegen die berüchtigten Finanz-Heuschrecken. BlackRock würde beispielsweise erheblich an Einfluss auf deutsche Unternehmen verlieren.
Der MSCI World bildet die Basis vieler ETFs (Exchange Traded Funds), die es Anlegern ermöglichen, kostengünstig und breit gestreut zu investieren – allerdings überwiegend in US-Unternehmen und nur in geringem Umfang in europäische.
Ein unabhängiger deutscher Staatsfonds (UDSF) würde hingegen nicht nur in Großkonzerne, sondern auch in mittlere und kleine europäische Unternehmen investieren, sofern diese die entsprechenden Voraussetzungen erfüllen. Der Vorteil für viele Unternehmen läge in einer größeren Unabhängigkeit von Banken und ausländischen Hedgefonds sowie in einer günstigeren Finanzierungsmöglichkeit.
Der Vorteil für deutsche Kapitalanleger läge in den erheblich niedrigeren Kosten für Aktienanlagen. Der schwedische Staatsfonds beispielsweise weist laufende Gebühren in Höhe von nur etwa 0,1 Prozent aus. Wer in Deutschland ETF-Anteile erwirbt, muss hingegen mit drei Kostenpositionen kalkulieren und sich über deren Höhe genau erkundigen, da diese von Fonds zu Fonds sehr unterschiedlich ausfallen. Es gibt Fonds, bei denen ein Ausgabeaufschlag fällig wird. Das bedeutet, dass sich das Anlagekapital zunächst um den Betrag des Ausgabeaufschlags reduziert. Wenn Sie beispielsweise 10.000 Euro investieren wollen und der Ausgabeaufschlag bei 5 Prozent liegt, reduziert sich das Anlagekapital zunächst um 500 Euro auf 9.500 Euro. Mit etwas Glück wird diese Reduzierung durch spätere Kurssteigerungen mehr als ausgeglichen. Zusätzlich werden Ihnen laufende Kosten in Rechnung gestellt, die ebenfalls unterschiedlich hoch sein können, beispielsweise 2 Prozent pro Jahr. Einige Fonds verlangen zusätzlich eine Erfolgsgebühr. Diese drei Faktoren schmälern Ihre Rendite. Der deutsche Staatsfonds sollte ausschließlich laufende Kosten berechnen, die nicht höher als 0,2 Prozent sein dürfen.
Der deutsche Staatsfonds (UDSF) wäre per Gesetz von der Regierung unabhängig und vergleichbar mit der Deutschen Bundesbank. Es sollte grundsätzlich ausgeschlossen sein, dass ehemalige Spitzenpolitiker dorthin versetzt werden.
Folgende Fragen wären zu klären:
- Wollen wir weiterhin zulassen, dass so viel Kapital ins außereuropäische Ausland abwandert?
- Besserverdienende zahlen keine Beiträge in die Rentenkasse ein. Im Alter verlässt sie aber oftmals ihr Glück und sie werden zu Sozialfällen. Wollen wir weiter tatenlos zuschauen?
- Die Pflicht-Einzahlung in den staatlichen Rentenfonds würde Besserverdienern eine gute Rendite ihres Kapitals sichern und die Gesellschaft gleichzeitig vor Sozialfällen ehemaliger Superreicher schützen.
- Könnte ein deutscher Staatsfonds die Altersvorsorge sinnvoll ergänzen und Finanzanlagen für alle einfacher und sicherer machen?
- Müssen wir weiterhin US-amerikanische Firmen unterstützen, während in Europa Arbeitsplätze abgebaut werden?