Gesundheit
Vor der Pandemie wurde das Thema Gesundheit eher als Nebensache betrachtet. Als Betroffener weiß man aber, dass dieses Thema für einen persönlich sehr schnell zum alles und ausschließlich beherrschenden Thema werden kann. Auch im Gesundheitswesen gilt, dass mehr Geld nicht unbedingt mehr Leistung oder bessere Ergebnisse bringt. Wir müssen das gesamte Gesundheitssystem umbauen.
Was sich dringend ändern muß
- Abschaffung der privaten Krankenversicherungen
- Bessere Gesundheitsvorsorge
- Umweltbedingungen verbessern
- Lärm, Luftverschmutzung, Chemikalien haben einen Einfluss auf unsere Gesundheit
- Mehr Bewegung, weniger Auto
Besser vorbeugen
"Vorbeugen ist besser als heilen!“ Wie in vielen anderen Bereichen muss auch im Gesundheitswesen die Eigenverantwortung der Bürger wieder gestärkt werden. Es kann nicht sein, dass die Gesellschaft jedes Jahr mehr Geld für die Gesundheit ausgeben muss, weil einige nur an ihren Spaß denken. Wer riskant leben will, soll das tun, aber die Solidargemeinschaft darf dafür nicht zur Kasse gebeten werden.
Transparenz im Gesundheitswesen
Dass manche Ärzte mehr Leistungen abrechnen, als sie tatsächlich erbracht haben, ist nur ein Aspekt mangelnder Transparenz und Kontrolle im Gesundheitswesen. Hier müssen völlig neue Wege beschritten werden.
Abschaffung der Zwei-Klassen-Medizin
Gesetzliche und private Krankenversicherung müssen zu einem System zusammengeführt werden, das die Vorteile beider Systeme vereint.
Zu hohe Kosten im Gesundheitswesen
Die Ausgaben der Krankenkassen steigen kontinuierlich. Die Versicherten bekommen das auch zu spüren, beispielsweise durch höhere Zusatzbeiträge. Schätzungen zufolge werden die gesetzlichen Krankenkassen im Jahr 2026 rund 370 Milliarden Euro ausgeben müssen, das entspricht mehr als einer Milliarde Euro pro Tag. Es braucht Reformen im System, und jeder muss seinen Beitrag leisten.
1. Vorbeugen ist besser als heilen
„Vorbeugen ist besser als heilen“. Dieses Sprichwort, das wohl fast jeder kennt, wird dem Arzt Christoph Wilhelm Hufeland (1762-1836) zugeschrieben. Neueste Studien geben ihm Recht. Wer sich ausreichend bewegt, Alkohol-, Tabak-, Zucker- und Salzkonsum, Stress und Einsamkeit reduziert bzw. vermeidet, sich gesund ernährt und viel bewegt, kann viel für seine Gesundheit tun.
Die Zahl der Krebstoten könnte deutlich gesenkt werden, wenn der Konsum von Alkohol, Tabak und Zucker stärker reduziert würde. Dem Gesundheitsrisiko Übergewicht sollte mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden und die Bürger sollten zu mehr Bewegung im Alltag motiviert werden (siehe auch ->Verkehrspolitik). Da diese Faktoren einen enormen Einfluss auf die Gesundheit haben, sollten sie unter anderem bei der Höhe der Krankenversicherungsbeiträge eine Rolle spielen. Personen, die bestimmten Risikogruppen angehören, sollten höhere Beiträge zahlen müssen. Dies würde bei einigen Bürgern zu einer Änderung ihres gesundheitsschädlichen Lebensstils führen.
2. Luft- und Trinkwasserqualität deutlich verbessern, Gifte in Lebensmitteln vollständig verbieten
Der Staat muss noch stärker darauf achten, dass die Gesundheit der Bevölkerung nicht durch das Einatmen von Abgasen (Autos, Flugzeuge, Schiffe, Kaminfeuer, ...) oder durch den Verzehr von verunreinigtem Trinkwasser, Fleisch, Obst, Gemüse, Speiseölen, Tees, Gewürzen usw. sowie durch giftige Chemikalien in Kinderspielzeug usw. beeinträchtigt wird. Verkehrslärm kann Stress verursachen und sich ebenfalls negativ auf die Gesundheit auswirken.
3. Lobbyismus unter Strafe stellen
Seit Jahren stellen die regierenden Politiker wirtschaftliche Interessen über gesundheitliche Aspekte. Möglicherweise auch durch den massiven Einsatz von Lobbyisten. Lobbyismus muss dringend unter Strafe gestellt werden. Die manipulative Einflussnahme auf Politik und Medien zum eigenen wirtschaftlichen Vorteil sollte sogar mit Gefängnis bestraft werden. Ein Blick in die USA (Beispiel Waffenlobby) zeigt, wie kriminell ein solches Verhalten ist. Die Interessen einer sehr kleinen Gruppe werden auf Kosten und zum Schaden der Bevölkerung politisch durchgesetzt.
Der Erhalt von Arbeitsplätzen in umwelt- und gesundheitspolitisch bedenklichen Branchen sichert im Zweifelsfall eher die Wiederwahl des verantwortlichen Politikers als Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit. Diese falsche Prioritätensetzung muss sich grundlegend und drastisch ändern. „Gesundheit vor Kommerz“. Ob der Vorrang von Gesundheitsaspekten tatsächlich langfristig Arbeitsplätze kostet, ist nicht belegt.
4. Bürgerversicherung mit individuell wählbaren Zusatzleistungen
Auch wenn die Umstellung auf eine Bürgerversicherung für alle Bürger erhebliche Probleme mit sich bringt, ist sie langfristig sinnvoll. Je früher wir uns von der Zwei-Klassen-Krankenversicherung verabschieden, desto besser. Die neue Bürgerversicherung sollte allerdings einige Elemente der PKV übernehmen. Ähnlich wie bei anderen Versicherungen (Kfz-Haftpflicht, Hausrat, ...) sollte es möglich sein, den gewünschten Versicherungsschutz individuell zu wählen und zu erweitern.
Die Bürgerversicherung muss eine sehr gute medizinische Grundversorgung abdecken. Darüber hinaus muss der Versicherte die Möglichkeit haben, diese einfach durch verschiedene Zusatzleistungen zu ergänzen. Nicht über eine private Zusatzversicherung, sondern unter dem Dach der Bürgerversicherung. Ähnlich wie bei anderen Versicherungen sollen Risiken, die der Versicherte selbst beeinflussen kann, zu einer Erhöhung des Versicherungsbeitrags oder zu einem Ausschluss von bestimmten Leistungen führen. Besondere Versicherungsrisiken sind der Konsum von Drogen (Tabak, Alkohol, Dopingmittel, Steroide, ...), der unverhältnismäßige Konsum von nicht ärztlich verordneten Medikamenten (Schlafmittel, ...) sowie die Ausübung von besonders risikoreichen Extremsportarten (Unfallstatistik).
5. Reorganisation der ambulanten und stationären medizinischen Versorgung
Für Ärzte sollten Anreize geschaffen werden, sich zu Gruppenpraxen zusammenzuschließen. Gemeinschaftspraxen bieten gegenüber Einzelpraxen erhebliche Kostenvorteile und erhöhen die Servicequalität für die Versicherten. Gleichzeitig ermöglichen sie jedem Arzt, wie jeder andere auch, problemlos Urlaub zu nehmen und bei Arbeitsunfähigkeit der Arbeit fernzubleiben. Es ist skandalös und nicht länger hinnehmbar, dass derzeit vielen Ärzten auf dem Land genau diese Möglichkeit verwehrt ist. In den Krankenhäusern muss die Spezialisierung in Fachkliniken vorgeschrieben werden. In allgemeinen Krankenhäusern kann das medizinische Personal nicht die Routine entwickeln, die für komplizierte Eingriffe notwendig ist. Der Nachteil der damit verbundenen längeren Anfahrtswege der Rettungsfahrzeuge zu den Krankenhäusern wird durch die bessere technische Ausstattung, Spezialisierung und Routine mehr als ausgeglichen.
6. Mangelhafte Hygiene in Krankenhäusern unter Strafe stellen
Die Hygiene in deutschen Krankenhäusern (resistente Keime) ist unzureichend. Gesetze und behördliche Auflagen müssen verschärft werden.
Es ist völlig unverständlich, warum die Politik hier untätig bleibt. Wenn Patienten nachweislich aufgrund mangelnder Hygiene in einem Krankenhaus sterben, erfüllt dies den Tatbestand der fahrlässigen Tötung. Die Verbesserung der Hygiene in Krankenhäusern und anderen Bereichen des öffentlichen Lebens muss oberste Priorität haben.
Grundsätzlich sollen in Zukunft alle Kontrollen durch staatliche Stellen in allen Bereichen unangemeldet erfolgen. Kontrollen, die Tage oder gar Wochen vorher angekündigt werden, führen nur zu Täuschungen.
7. Krankenkassen umwandeln zu Genossenschaften und zu Anwälten ihrer Patienten
Die Umstellung auf eine Bürgerversicherung muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass hier eine staatliche Institution geschaffen wird, die von Berufspolitikern gesteuert und korrumpiert werden kann.
Die Bürgerversicherung könnte in der Rechtsform einer Genossenschaft organisiert werden. Der Einfluss der Politik sollte hier weitgehend unterbunden werden. Der Staat macht die Regeln und kontrolliert, darf sich aber ansonsten nicht einmischen.
8. Hohe Kosten im Gesundheitswesen
Die Ausgaben der Krankenkassen werden maßgeblich durch die Ausgaben für Krankenhausbehandlungen bestimmt, die den größten Kostenblock bilden. Hier schlagen höhere Personalkosten und Inflation sehr stark zu Buche. Zusätzlich sind die Preise für neue Arzneimittel immens gestiegen. Bei den Gesundheitsausgaben liegt Deutschland in Europa zwar an der Spitze, jedoch nicht bei der Lebenserwartung, die in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern eher durchschnittlich ist. Dies macht deutlich, dass unser Gesundheitssystem reformbedürftig ist.
Spezialisierung der Krankenhäuser
Mit der Krankenhausreform wollte die letzte Bundesregierung für mehr Spezialisierung und damit für Einsparungen sorgen. Die Grundidee der Reform war richtig: Einerseits sollte die Grundversorgung sichergestellt werden, andererseits sollten sich die Kliniken auf Eingriffe konzentrieren, für die sie die richtigen Voraussetzungen mitbringen. Kurz gesagt: Schwierige Operationen sollen nicht mehr in jeder Klinik durchgeführt werden, sondern nur noch in Krankenhäusern, die auf diese Operationen spezialisiert sind. Dadurch würde sich die Qualität der Behandlungen verbessern und gleichzeitig Geld gespart werden. Dies war ein vielversprechender Ansatz. Die Entscheidung über die Krankenhäuser liegt jedoch bei den Bundesländern. Diese trauen sich nicht, den Wählern Krankenhausschließungen zu begründen. Deshalb wird sich voraussichtlich an der Situation nichts ändern. Die Behandlungsqualität wird sich also nicht verbessern und die Kosten für Krankenhausbehandlungen werden nicht sinken. Wenn einige Krankenhäuser schließen müssten, könnte das Geld der Beitragszahler sinnvoller eingesetzt werden. Patienten müssten für planbare, hochspezialisierte Eingriffe möglicherweise einen längeren Weg in Kauf nehmen, dafür wäre die Behandlungsqualität aber oft besser – und darauf kommt es doch eigentlich an.
Verwaltungskosten der Krankenkassen
Die Krankenkassen könnten einen Beitrag zur Senkung der Kosten leisten, indem sie ihre Verwaltungskosten dauerhaft deckeln. Derzeit liegen diese bei vier Prozent der Ausgaben. Dies sollte übrigens in allen Branchen verpflichtend sein, auch in der öffentlichen Verwaltung. Eine bessere Patientensteuerung und eine verstärkte Fokussierung auf Prävention könnten ebenfalls dabei helfen, die Ausgaben in Zukunft zu reduzieren. Forschungsdaten und bedeutende Erkenntnisse sollten schneller an die Versicherten weitergegeben werden. Die gesundheitliche Aufklärung sollte in noch größerem Umfang erfolgen. Die gesetzlichen Krankenkassen betreuen etwa 75 Millionen Versicherte.
Primärarztsystem
Die Einführung eines Primärarztsystems sollte zumindest getestet werden. Dann wären Facharzttermine in erster Linie nur noch über die Hausärzt:innen zu bekommen. Dadurch könnten die Wartezeiten möglicherweise verringert werden, da viele unbegründete Facharztbesuche wegfallen würden. Zusätzlich könnten digitale Angebote wie Krankenkassen-Apps dabei helfen, dass Versicherte genau die richtige Unterstützung erhalten. Das kann ein Termin bei der Hausärztin, die Empfehlung, sich zwei Tage ins Bett zu legen, oder die Entscheidung, einen Rettungswagen zu rufen, sein.
Bürgergeldempfänger und Minijobber
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen aktuell einen Großteil der Behandlungskosten von Bürgergeldempfängern. Der GKV-Spitzenverband hat die Bundesregierung verklagt, damit sich der Staat stärker an diesen Kosten beteiligt, da die gesundheitliche Versorgung von Bürgergeldbeziehenden eine staatliche Sozialleistung ist. Die gesetzlichen Krankenkassen müssen etwa zehn Milliarden Euro finanzieren, denen keine Beiträge gegenüberstehen. Minijobber können zwar die Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen in vollem Umfang in Anspruch nehmen und verursachen damit erhebliche Kosten, tragen selbst aber nicht zur Finanzierung des Systems bei. Dies ist unsolidarisch und untragbar.
Pharmaindustrie
Das deutsche Gesundheitssystem ist für die Pharmaindustrie ein sehr profitables Geschäft. Ein Grund dafür sind die hohen Preise für neue Arzneimittel, die zu den Kostentreibern gehören. Zwar sind Innovationen der Pharmaindustrie notwendig, aber nicht jedes Medikament stellt eine echte Verbesserung dar. In Deutschland haben wir die privilegierte Situation, dass nahezu jedes neue Medikament schnell auf dem Markt ist und der gesamten Bevölkerung zugutekommt. Die Gewinne der Pharmaindustrie auf Kosten der Versicherten müssen jedoch begrenzt werden, da der Markt auch hier nicht richtig funktioniert. Die Krankenkassen erhalten zwar bereits einen Rabatt auf die Medikamente, die sie für ihre Versicherten bezahlen. Dieser Herstellerabschlag liegt derzeit bei sieben Prozent. Ein höherer Abschlag wäre zumutbar, ohne zukünftige Neuentwicklungen zu behindern.
In einigen Ländern gibt es Preismengenregelungen. Das bedeutet: Wenn der Umsatz mit einem Medikament eine bestimmte Grenze überschreitet, wird der Preis automatisch gesenkt. Dies wäre ebenfalls ein Modell für Deutschland. Neue Medikamente tragen dazu bei, dass Krebs heute in vielen Fällen keine tödliche Erkrankung mehr ist, sondern eine chronische Krankheit. Hochwirksame Medikamente ermöglichen es Menschen, länger zu leben. Dafür haben wir das Solidarsystem der Krankenversicherung, damit diese sehr teuren Medikamente allen zur Verfügung stehen. Allerdings sind die Preise für solche neuen Medikamente in die Höhe geschnellt – selbst in Fällen, in denen sie den Menschen gar nicht helfen. Das Verhältnis von zusätzlichem Nutzen und höheren Preisen ist aus dem Gleichgewicht geraten – das muss sich wieder ändern.